Sprachlernklassen (DaZ-Klassen)

Deutsch als Zweitsprache (DaZ)

Die Sprachlernklassen richteten wir bereits 1979 mit Zuwanderung der vietnamesischen „Boat-people“ ein. Sie erhielten außerdem großen Zulauf durch polnische Aussiedler und später durch Flüchtlinge, Asylbewerber und Spätaussiedler aus den GUS-Staaten. Das Angebot der Sprachlernklassen an unserer Schule steht als einziges im Landkreis Lüneburg allen Schülern zur Verfügung. Innerhalb des Schuljahres werden bei ausreichender Kapazität auch Schüler aufgenommen, die älter als Schüler der SEK I sind.

 

Neue Schüler werden zu jedem Zeitpunkt des Schuljahres aufgenommen. Die Schülerschaft der DaZ-Klassen ist alters- und leistungsheterogen zusammengesetzt. Im Extremfall sind die Schüler zwischen 10 und 18 Jahre alt und im Leistungsniveau zwischen Analphabeten und Gymnasiasten. Bei Neuzuwanderern ohne oder mit geringen Deutschkenntnissen beträgt die Verweildauer in den DaZ-Klassen - je nach Lernfortschritten - ein bis zwei Jahre. Hier unterrichten Kolleginnen, die in DaZ ausgebildet sind, über Erfahrung in der Beschulung ausländischer Menschen auch im außerschulischen Bereich verfügen, die Fakultas in einer Fremdsprache besitzen oder bereit sind, Schülern ohne Deutschkenntnisse adäquat zu begegnen. Die Förderung erfolgt durch Binnendifferenzierung bzw. durch Kleingruppenunterricht, zeitweilig durch Doppelbesetzung mit herkunftssprachlichen Lehrkräften.

 

Wir erachten die Beherrschung der deutschen Sprache als die wesentliche Voraussetzung für eine Integration. Daher ist Ziel der Arbeit in den Sprachlernklassen, diese intensiv zu lehren und lernen, um die Integration der Schüler nichtdeutscher Herkunftssprache in unsere Regelklassen oder andere Schulformen in Lüneburg zu ermöglichen. Der Übergang erfolgt jeweils in die Regelklasse der Klassenstufe, die im Herkunftsland zuletzt besucht wurde. Wir sorgen dafür, dass die Schüler die Sprachkompetenz erwerben können, die sie zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und als Voraussetzungen für eine berufliche Bildung benötigen. Damit bemühen wir uns, dem in der PISA-Studie festgestellten Schicksal der Chancenlosigkeit in unserer Gesellschaft entgegenzuwirken.

 

Meist befähigt ein einjähriger Besuch einer Sprachlernklasse die Schüler zur Mitarbeit in der Regelklasse. Sie benötigen in der Regel noch zwei weitere Jahre der Sprachentwicklung, um z. B. Schulbuchtexte selbständig er- und bearbeiten zu können, verfügen aber im Vergleich zu Mitschülern schon über gute grammatikalische Kenntnisse. Leistungsstärkere Schüler können dies eher erreichen und auf die Realschule oder das Gymnasium überwechseln. Beim Verbleib in unserer Oberschule erreichen Migranten aus den Sprachlernklassen in der Regel gute Abschlüsse. Die Chance dazu ist erhöht, wenn sie zumindest die Klassen 9 und 10 durchlaufen.

 

Der Unterricht in den Sprachlernklassen führt Schüler unterschiedlichster Herkunft zusammen und fordert und fördert die Anerkennung der Unterschiedlichkeit innerhalb der Klassengemeinschaft. Für die Schule bedeutet die Anwesenheit der Sprachlernschüler einen Kontakt einheimischer Schüler mit fremden kulturellen Hintergründen sowie mit Flucht- und Vertreibungsschicksalen bei Kindern und Jugendlichen gleichen Alters. Eine nicht unwesentliche Rolle nimmt dabei die Beschäftigung mit dem mitgebrachten Geschlechterrollenbild der jeweiligen Schülerin oder des Schülers ein, je nachdem, woher sie kommen. In Vorbereitung ist außerdem ein Projekt zur Berufsorientierung für Migrantinnen und andere Mädchen in Zusammenarbeit mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt.

 

Die ersten Schritte zur Integration der Migrantenschüler erfolgen bereits sehr frühzeitig. Sobald sie einfache Anweisungen von Lehrkräften verstehen, nehmen sie an den Arbeitsgemeinschaften am Nachmittag teil. Später folgt der stundenweise Besuch einer Regelklasse und zum Schuljahreswechsel der Übergang in die „deutsche“ Klasse. Die Integration verläuft so erfolgreich, dass Klassen- und Schülersprecher häufig Migranten sind.

 

Der Umgang mit Menschen fremder Sprache, Hautfarbe und Verhaltensweisen wird für alle in der Schule eine natürliche Angelegenheit und verhindert weitgehend fremdenfeindliches Gedankengut.

19.10.2016 Zeitungsinterview zu den Sprachlernklassen:

12.12.2012 Vorführung des "Regenbogenfisches" der Schüler aus den DaZ-Klassen A & B  unserer Schule am Tag der Migranten (Glockenhaus, Lüneburg):